Donnerstag, 19. Juli 2012

Gelesen: "Flucht eines Toten" von David Bielmann



-          Broschiert: 255 Seiten
-          Verlag: Woa Verlag (6. Juli 2011)
-          Sprache: Deutsch
-          ISBN-10: 3952365726
-          ISBN-13: 978-3952365724


Klappentext:
Albert Leblanc führt ein trostloses Leben als Koch in der verrauchten Dorfbeiz von Rechthalten. Ständig wird er vom Wirt erniedrigt und von betrunkenen Gästen verhöhnt, Anerkennung erhält er kaum. Die einzigen Freuden in seinem Alltag sind das Gitarrenspiel, der Absinth und die Serviertochter Mona, die ihm als einzige etwas Sympathie entgegenbringt.
In einsamen Momenten hängt er immer öfter morbiden Gedanken nach. Er beschließt, in vier Tagen all den Bosheiten ein Ende zu setzen. Albert macht sich an sein schauriges Werk ...
Ob sich heute in Rechthalten noch jemand an Albert Leblanc zu erinnern vermag? Wer seinerzeit regelmäßig in die Wirtschaft pilgerte, wird sich womöglich noch ein Bild seiner schmächtigen Gestalt machen können. Es würde allerdings nicht erstaunen, wenn er vollends in Vergessenheit geraten wäre. Dies ist seine so verwegene wie tragische Geschichte.

Meine Meinung:
Rechthalten, ein kleiner Ort bei Freiburg in der Schweiz, im Jahre 1967.
Albert Leblanc, gerade 20 Jahre alt, hat genug von seinem tristen und trostlosen Leben. Tag für Tag arbeitet er als Koch im Dorfwirtshaus, wo ihm aber keinerlei Respekt entgegengebracht wird. Allein die Kellnerin Mona scheint Albert zu mögen.
Dessen einzige Leidenschaften sind seine Gitarre und der Absinth.
So beschließt Albert nach Ablauf von 75 Stunden seinem öden Leben ein Ende zu setzen. Vorher möchte er aber noch so einige Dinge erledigen.
Doch dann geht Alberts Versuch sich das Leben zu nehmen Schief, er überlebt und muss flüchten.
Er beginnt ein Leben als „lebender Toter“, doch auch das birgt so seine Schwierigkeiten …

„Flucht eines Toten“ ist David Bielmanns Debütroman. Mit ihm hat der Autor 2010 den 1. Preis beim Literaturwettbewerb der Uni Freiburg gewonnen.

In seinem Roman schafft es der Autor ohne mahnend zu wirken dem Leser aufzuzeigen, wie verletzend unbedachte Äußerungen für andere doch sein können. Wenn man es dann bemerkt kann es aber für Reue bereits zu spät sein.

Albert, der Protagonist des Buches, ist ein Außenseiter, keiner gibt sich mit ihm ab. Im Dorf nimmt ihn keiner wirklich ernst, man lästert eher über ihn. Dabei ist Albert eigentlich ein liebenswerter und hilfsbereiter junger Mann der sich nichts mehr wünscht als jemanden an seiner Seite zu haben, der ihm Wärme und Zuneigung gibt. Doch da es diesen jemand nicht gibt und Albert genug von den Äußerungen der anderen hat und er nicht länger nur der Depp sein möchte plant er seinen Tod. Er geht präzise dabei vor und nachdem er noch so einige Dinge erledigt hat verabschiedet er sich ganz still und heimlich von seinem Leben.

Der Schreibstil des Autors ist anspruchsvoll, einfühlsam und eindringlich. Ab und zu bringt er auch etwas Humor mit in die Handlung ein.
Die Stimmung im Buch ist von Beginn an traurig und deprimierend.
Das Buch selber ist unterteilt in zwei Teile, „Tod eines Lebenden“ und „Leben eines Toten“. Im ersten Teil ist die Handlung eher dramatisch und steigt immer weiter an, während im zweiten Teil eher die Melancholie überwiegt.

Geschildert wird die Handlung aus Sicht von Albert. So hat man als Leser direkten Draht zu seinen Gedanken und Gefühlen und leidet automatisch mit ihm mit.

Fazit:
„Flucht eines Toten“ von David Bielmann ist ein Roman, der zum Nachdenken anregt und berührt. Er glänzt mit einem sehr außergewöhnlichen Protagonisten, einer bildhaften eindringlichen Sprache und einer bis zum Schluss fesselnden Handlung.
Absolut empfehlenswert!


Ich bedanke mich recht herzlich bei David Bielmann und dem Verlag für das bereitgestellte Rezensionsexemplar.

Diese Rezension wurde auch hier, hier (unter Manja T.), hier (unter Manja Teichner) und hier (unter Manja Teichner) veröffentlicht.

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