Samstag, 9. Mai 2015

Gelesen: "Die Reise mit der gestohlenen Bibliothek" von David Whitehouse



-          Gebundene Ausgabe: 314 Seiten 
-          Verlag: Tropen (21. Februar 2015) 
-          Sprache: Deutsch 
-          ISBN-10: 3608501487 
-          ISBN-13: 978-3608501483 
-          Originaltitel: Mobile Library 



Bobby Nusku fristet seine Tage damit, Haare, Kleidungsstücke und weitere Spuren seiner verschwundenen Mutter zu sammeln und zu archivieren. Er fühlt sich im Haus seines grobschlächtigen Vaters und dessen wasserstoffblonder Freundin ziemlich einsam, besonders nachdem sein einziger Freund Sunny eines Tages wie vom Erdboden verschluckt ist. Die Freundschaft zum Nachbarsmädchen Rosa und ihrer Mutter Val, die Putzfrau in einem Bücherbus ist, gibt ihm Hoffnung und macht ihm Mut, sich gegen sein Schicksal aufzulehnen. Als alles drunter und drüber geht, machen sich Val, Rosa und Bobby gemeinsam mit dem sympathischen Outlaw Joe auf eine verrückte Reise mit Vals Bücherbus quer durch England. Im Gepäck haben sie nur das Nötigste: ihre Freundschaft und eine Menge guter Bücher.
(Quelle: Tropen Verlag)

Bobby lebt bei seinem Vater und dessen Freundin. Seine Mutter ist bei einem Autounfall ums Leben gekommen, ein Umstand der Bobby schwer fällt zu akzeptieren. Er hofft immer noch auf ihre Rückkehr. In der Schule wird Bobby gemobbt und verprügelt. Doch auch zu Hause geht es ihm nicht besser. Sein Vater vernachlässigt ihn und auch er schlägt immer wieder zu. Nur Sunny, Bobbys Freund, ist für ihn da. Doch der zieht plötzlich weg und Bobby ist wieder auf sich gestellt.
Eines Tages lernt er die geistig behinderte Rosa und deren Mutter Val kennen. Die beiden haben es auch nicht unbedingt leicht. Als Bobby wieder mal verprügelt wurde flieht er zu den beiden in ihre fahrende Bibliothek. Eine abenteuerliche riese beginnt …

Der Roman „Die Reise mit der gestohlenen Bibliothek“ stammt von Autor David Whitehouse. Es ist sein zweiter Roman, für mich war es das erste Buch des Autors. Angesprochen vom amüsant klingenden Titel  habe ich mich hier in ein Abenteuer gestürzt, das ich so keinesfalls erwartet hatte.

Die Charaktere des Buches sind ungewöhnlich und wirklich sehr gut und vor allem lebendig gestaltet.
Bobby, der Protagonist, ist nicht unbedingt schnell zu durchschauen. Er vermisst seine Mutter, archiviert ihre Haare, und hofft auf eine Rückkehr von ihr. Bobby wirkt wirklich wie ein Freak, dabei ist er eigentlich nur einsam und alleine. Sein Vater kümmert sich nicht um ihn, schlägt ihn lieber. Ehe man sich versieht hat sich Bobby ins Herz des Lesers geschlichen, mit seiner an sich zerbrechlichen Art. Aber tief im Inneren ist Bobby ein ganz starker Junge, den ich wirklich sehr gerne gemocht habe.

Auch die anderen Charaktere sind wirklich tiefgründig und authentisch gestaltet.
So zum Beispiel Rosa, Sie ist Vals Tochter. Rosa ist geistig behindert und eigentlich ein richtiger Sonnenschein, zeigt sie doch den Menschen in ihrer Umgebung immer wieder die Schönheiten am Leben.
Val ist Rosas Mutter und auch sie hat es nicht leicht im Leben. Ihre einzige große Liebe hat sie verlassen, weil er sich nicht im Stande sah sich mit um Rosa zu kümmern.
Und dann gibt es noch Joe, der auch so seine Probleme mit sich herumträgt-
Alle diese genannten Charaktere haben eigentlich nur einen großen Wunsch. Sie suchen die richtige Familie, mit Liebe und Geborgenheit.

Der Schreibstil des Autors ist ganz wunderbar. Er schreibt sehr bildhaft und eindringlich. Man kommt als Leser gar nicht drum herum als sich ins Geschehen ziehen zu lassen, von der Handlung gefesselt zu sein. Doch es ist nicht nur ernst, auch eine Prise Humor fehlt nicht.
Die Handlung selbst ist großartig. Es ist ganz anders als erwartet. Bobbys Geschichte hat mich berührt, ganz tief im Herzen getroffen. Sie stimmt traurig und nachdenklich. Die Bücher geben nicht nur ihm, sondern auch Val und Rosa Kraft. Sie vermitteln Hoffnung in schweren Zeiten, bieten etwas wo sich die Charaktere hin flüchten können.  Leider kamen sie mir ein wenig zu kurz, ich hätte gerne mehr über die jeweilige Lektüre erfahren. Es wird nur ab und an am Rande erwähnt welches Buch gerade gelesen wird. Neben dem tragischen gibt es auch noch abenteuerliche und wirklich spannende Momente.

Das Ende empfand ich als sehr gelungen. Es ist recht offen gehalten, bietet so jede Menge Raum für die Leser sich weitere Gedanken machen zu können. Das passt hier bei diesem Buch wirklich sehr gut.

Alles in Allem ist „Die Reise mit der gestohlenen Bibliothek“ von David Whitehouse ein unglaubliches Buch, das ich so wirklich nicht erwartet hätte.
Die sympathischen Charaktere, der mitreißende sehr bildhafte Stil des Autors und eine Handlung, die einerseits spannend ist aber auch nachdenklich stimmt, haben mich hier auf ganzer Linie unterhalten und letztlich bewegt.
Ganz klar zu empfehlen!


Mein dank geht an den Verlag für das Rezensionsexemplar!

1 Kommentar:

  1. Das klingt tatsächlich nach einem sehr außergewöhnlichen Titel! Bisher ist er mir noch nie untergekommen, aber ich werde gleich mal stöbern gehen und ihn auf meine Wunschliste setzen, danke für den Tipp!

    Liebste Grüße!
    Nazurka

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